Wann spielt mein Kind was? – Die Phasen des kindlichen Spiels in den ersten 3 Lebensjahren!

Im Kleinkindalter gibt es verschiedene Phasen der Spielentwicklung. Schon Baby spielen. Emmi Pikler schreibt: „Jedes Kind, das wach und satt ist und sich geborgen weiß, wendet sich neugierig seiner Umgebung zu.“

Schon Babys brauchen „intensive gemeinsame Zeiten für Zuwendung und gemeinsames Spiel, ebenso aber Ruhe, um selber die Welt zu erkunden und zu spielen“, schreibt Christiane Kutik.

Im 1. Lebensjahr …

Erste Spielerfahrungen

Erste Spielerfahrungen sammelt das Baby indem es mit seinen Fingern, Händen und etwas später auch mit seinen Zehen und Füßen spielt. Diese Spiele fördern das Zusammenwirken der Sinnesorgane.
Das Greifen wird schließlich immer gezielter und so werden erste „Dinge“ interessant. Das können Tücher, Dosen, Stofftiere, etc. sein. Diese Dinge werden genau untersucht, es wird getestet ob man damit klappern und scheppern kann und natürlich werden sie auch gekostet.
Besonders beliebt ist auch das „Guck-guck-Spiel“ – das Kind hat das Gefühl, dass es machen kann, dass es keiner sieht und das führt zu großer Freude und großem Spaß.
Wichtig ist, dass man Kinder in solchen Spielsituationen (experimentieren, ausprobieren, einfüllen, ausleeren, scheppern, …) nicht unterbricht. Sie „arbeiten“ intensiv und hochkonzentriert.
Besonders wichtig für Kinder sind auch oftmalige Wiederholungen, denn dadurch prägen sich Abläufe ein. Auch wenn es für Erwachsene eigenartig erscheint, aber Babys und Kinder haben auch nach mehrmaligen Wiederholungen noch immer große Freude an gewissen Spielen.

Am Ende des 1. und im 2. Lebensjahr …

Krabbeln, Rutschen, Stehen, Gehen –

die Fortbewegung wird interessant

Am Ende des 1. bzw. Beginn des 2. Lebensjahres wird Gehen und Laufen das große Thema.
Durch Spieldinge wie Bälle, Nachziehtiere, Fahrzeuge, kleine Tunnel und Wägelchen üben die Kinder Laufen, Gehen, Kriechen, Durchkriechen, Klettern und weitere Bewegungsabläufe.

Schütten, Leeren, Stapeln

Am Ende des 1. und im 2. Lebensjahr wird der Umgang mit Materialien noch wichtiger. Es geht um Formen, Farben, Gewichte, …
Beliebte Spiele in dieser Zeit sind:
  • Einfüllen und Ausleeren
  • Aneinanderreihen von Bausteinen
  • Sandspielen
  • Kneten und Formen mit Plastillin
  • Striche mit Stiften machen
  • Becher aufeinanderstapeln
  • Dosen mit Deckeln schließen
Kinder in diesem Alter haben noch keine Gestaltungsabsicht – es geht noch nicht darum, dass etwas entsteht.
Kinder beschäftigen sich besonders gerne wenn die Erwachsenen neben ihnen auch „etwas tun“, also auch Arbeiten erledigen.

Mithelfen

Kinder ab dem 2. Lebensjahr sind auch ganz begeistert wenn sie mit den Erwachsenen „mitarbeiten“ dürfen: Waschmaschine aus- und einräumen, Geschirrspüler ausräumen, beim Backen und Kochen helfen, staubwischen, mit dem Besen kehren, …
Für Eltern ist es meist keine große Hilfe ;-), aber für Kinder ist es Freude und Lernen. Sie lernen durch dieses spielerische Tun und sind motiviert und voll Freude dabei.
Es ist nicht immer möglich, weil manchmal einfach keine Zeit ist, aber sooft es geht sollte man Kinder die Möglichkeit geben mitzuhelfen.

Kinder lernen durch Spielen

Ab dem 3. Lebensjahr …

Das „werkschaffende Spiel“

In diesem Alter steht nicht mehr nur die Tätigkeit an sich im Vordergrund, das „Werk„, das „Produkt“, das geschaffen wird, wird wichtiger.

Im 3. Lebensjahr sieht man das beispielsweise beim Sandspielen, wenn Kinder einen „Kuchen“ backen. Im 4. Lebensjahr bauen Kinder gezielt etwas aus Lego oder Bausteinen bauen und im 5. Lebensjahr wird auch das Werk beim Zeichnen immer wichtiger.

Kinder entwickeln in diesen Stadien erste „Pläne“ und überlegen sich was sie schaffen wollen (z.B. einen Kuchen aus Sand, ein Haus aus Bausteinen, ein Bild mit einer Rakete, …).

Hier entwickeln Kinder auch immer mehr Konzentration und Ausdauer mit der sie ihr Ziel verfolgen.

Imaginär Spielen – Rollenspiele

Kinder können aus „nichts“ ein ganzes Spiel erfinden. Sie können imaginären Tee servieren, oder einfache Naturmaterialien zu Tellern und Tassen umfunktionieren. Ein Stöckchen kann eine Fahne, ein Schwert, ein Hexenbesen, … sein.

Kinder spielen

  • alltägliche Situationen nach, wie Essen, Schlafen, Einkaufen gehen, …
  • Erlebtes, wie zum Beispiel die erste Zugfahrt oder den Besuch beim Arzt
  • Geschichten die sie gehört oder gesehen haben

nach.

Kinder schlüpfen in verschiedenste Rollen und teilen auch ihren Puppen und Stofftieren und oft auch anderen Familienmitgliedern Rollen zu.

Manchmal verwenden sie Materialien (wie Tücher, Kleider, Puppengeschirr, …) für ihre Rollenspiele, manchmal aber auch gar nichts. Alles was sie brauchen existiert dann in ihrer Fantasie.

Kinder brauchen nicht ständig ganz viel Spielzeug und ganz viel Animation von außen! Oftmals muss man sie einfach tun lassen. Sie haben einen eigenen Spieltrieb und gehen  ganz in ihren eigenen Spielwelten auf.

Als Erwachsene sollten wir dieses Spielen in den imaginären Spielwelten ernst nehmen und keinesfalls unterbrechen. Fordern uns Kinder zum Mitspielen auf, dann sollten wir versuchen auch in diese imaginäre Welt einzutauchen.

Ein sehr empfehlenswertes Buch zum Thema „Spielen“ ist dieses hier:

Spielen macht Kinder stark

 

 

Wie alt sind eure Kinder und was spielen sie gerade besonders gerne?

Oder könnt ihr euch an eines eurer liebsten Spiele aus der Kindheit erinnern?

Ich würde mich sehr freuen wenn ihr mir dazu einen Kommentar hinterlasst!

 

Eure

UnterschriftVorname 001

 

 

 

 

 

Quellen:

Schenk-Danzinger, Lotte. 1999. Entwicklung Sozialisation Erziehung. Wien: ÖBV Verlag.

Kutik, Christiane. 2013. Spielen macht Kinder stark. Stuttgart: Verlag Freies Geistesleben.

 

 

 

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