Aber mein Kind kann schon …

Diesen Satz haben wir wohl alle schon gehört und ich denke auch gesagt.

Man ist immer stolz wenn das eigene Kind etwas kann – am besten noch früher als die anderen Kinder und am besten noch besser als die anderen Kinder. Es ist ganz natürlich, dass man sich über „Meilensteine“ oder „Errungenschaften“ des Nachwuchses freut und gerade wenn mehrere Mütter oder Väter zusammen sind wird das Können des Kindes besprochen. Es beginnt mit „Mein Kind kann schon sitzen, krabbeln, stehen, gehen, … “ und geht weiter mit „Mein Kind kann schon lesen, schreiben, zählen, …“ oder in weiterer Folge „Mein Kind kann schon Schi fahren, Geige spielen, …“

Es geht mir hier jetzt auch weniger darum ob und wie man diese Dinge mit anderen bespricht, sondern eher darum welche Erwartungshaltungen man als Eltern gegenüber seinem Kind/seinen Kindern hat. Und ob und wie man sie mit anderen Kindern vergleicht.

Warum ich darauf komme?

Weil das Wurzelinchen gerade ihren ersten Schikurs macht. Sie ist letztes Jahr schon ein bisschen mit uns gefahren, aber heuer ist sie in der Schischule – 4 Tage diese Woche. Und es macht ihr Spaß und darum geht es doch.

Aber ich habe mich heute selbst ertappt, dass ich sie mit den anderen Kindern ihrer Gruppe verglichen habe. Einige Kinder diese Gruppe durften schon mit dem Tellerlift auf der größeren Piste fahren, das Wurzelinchen aber noch nicht, weil es mit Bremsen und Bogerl fahren noch nicht gut genug klappt.

„Mein Kind kann das noch nicht gut genug.“

„Autsch!“ Den Satz denkt und sagt man irgendwie nicht so gerne. Obwohl es doch eigentlich völlig egal ist wie lange ein Kind braucht um etwas zu lernen – besonders im Vorschulalter. Und es steht doch die Freude am Tun an erster Stelle und das habe ich mir dann auch wieder vor Augen geführt:

Es macht ihr Freude!

Und das ist mir wichtig.

Versteht mich nicht falsch, es werden natürlich Situationen im Leben kommen wo es nicht mehr ausreicht, dass es dem Kind Freude macht. Wo das Kind Dinge können muss. Beispielsweise in der Schule, da wird es nicht immer Freude machen und natürlich werden wir als Eltern Erwartungen haben. Aber auch da gilt es die eigene Erwartungshaltung etwas zurückzuschrauben:

„Mein Kind muss nicht überall der Beste oder Schnellste oder Erste sein“

Jedes Kind hat seine Stärken und die gilt es zu sehen und zu stärken. Nicht die Schwächen sollen im Vordergrund stehen!

Die Stärken stärken!

Diesen Satz sollten wir Eltern uns immer wieder vor Augen führen.

Jedes Kind kann etwas gut!

Als Vater oder Mutter ist es wichtig zu sehen was mein Kind gut oder sogar besonders gut kann und dies dann auch zu fördern. Dingen die noch nicht so gut gehen, wie man sich das Eltern vielleicht wünscht, muss man Zeit geben. Und nur weil es das gleichaltrige Nachbarskind schon kann, muss es mein Kind noch nicht können.

Hat es Auswirkungen auf das spätere Leben ob man mit 9 Monaten oder mit 15 Monaten geht? Oder ob man das Bremsen beim Schifahren nach einer oder zwei Wochen Schikurs erlernt?

Ich denke nicht.

Natürlich ist es wichtig sein Kind aufmerksam zu beobachten und es zu fördern und zu unterstützen und in verschiedenen Entwicklungsbereichen, zum Beispiel bei der Sprachentwicklung oder der Motorik, ist es manchmal notwendig sich zusätzliche Hilfe, beispielsweise durch einen Logopäden oder Physiotherapeuten zu holen. Auch in der Schule ist es manchmal nötig sich in einzelnen Fächern zusätzliche Unterstützung zu holen. Aber es ist wichtig diese „Mein Kind kann noch nicht“ – Punkte nicht so in den Vordergrund zu stellen, sie sind nur ein kleiner Teil der Persönlichkeit unserer Kinder!

Sehr oft brauchen Kinder einfach nur Zeit und Erwachsene die keinen Druck ausüben und ihre eigenen Erwartungshaltungen auch ein bisschen zurückschrauben können!

 

Wie geht es euch selbst mit Erwartungshaltungen oder Vergleichen? Ich würde mich sehr über eure Gedanken zu diesem Thema freuen!

 

 

Foto: geralt pixabay.com

 

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