Wenn aus Lauten Wörter werden! So entwickelt sich die Sprache deines Kindes im 2. und 3. Lebensjahr!

Wie ich bereits im ersten Teil meiner Serie zur Sprachentwicklung geschrieben habe, beginnt Sprachentwicklung und Sprachförderung bereits ab der Geburt.

Kinder nehmen Sprache von Anfang an wahr. Doch ca. bis zum 7. Lebensmonat können Kinder keine Beziehung zwischen Wörtern und Gegenständen herstellen. Sie richten ihre Aufmerksamkeit entweder auf die sprechende Person oder auf den Gegenstand. Sie begreifen noch nicht, dass ein Wort (oder das Aneinanderreihen von Lauten) in Bezug zu einem Ding steht.

Mit ungefähr 7 Monaten bemerken Kinder, dass die Mutter/der Vater/die Bezugsperson mit Wörtern (Lauten) auf Gegenstände reagiert. Das Kind greift nun zu einem Gegenstand und sieht dabei die Bezugsperson an. Es erwartet eine Reaktion und folgt dem Blick der Mutter. Zollinger (2004) bezeichnet das als den triangulären Blickkontakt. Das Kind schaut von sich zum Gegenstand, dann weiter zur sprechenden Person und dann wieder zurück zu sich selbst. Das Kind hat verstanden, dass die Sprache etwas mit dem Gegenstand zu tun hat und freut sich über die Wörter, bzw. über die Lautkombinationen.

Hier sieht man wie wichtig es ist Tätigkeiten von Anfang an sprachlich zu begleiten, denn so erfährt das Kind, dass Sprache Dinge oder Tätigkeiten beschreibt.

Kinder beginnen nun ihre „Wortkörbe“ zu füllen, wie Winner (2012) es nennt. Sie sammeln Informationen zu verschiedenen Dingen bzw. zu den Worten. Das Bärli ist beispielsweise weich, klein, braun, … Man kann damit eiei machen, etc. Das Kind erkennt dann auch Unterschiede, zum Beispiel zu einem Baustein. Dieser ist hart und nicht zum eiei machen geeignet. Diese Informationen speichert das Kind zu den Worten (in den „Körben“) ab.

 

Wauwau und Eiei! Kindersprache: ja oder nein?

Gegen Ende des 1. Lebensjahres beginnen Kinder schließlich Lautkombinationen nachzuahmen und so entstehen „Mama“ und „Papa“, aber auch „Wörter“ wie „Eiei“ und „Wauwau“. Sollen auch Erwachsene diese „Kindersprache“ verwenden? Sehr oft hört man, dass man von Anfang an „richtig“ mit Kindern sprechen soll – ohne Kindersprache. Aber die (autonome) Kindersprache ist keine „falsche“ Sprache. Kinderworte gibt es in allen Sprachen der Welt und sie erleichtern den Kindern den Zugang zur Sprachwelt.

Anfänglich muss ein Wauwau auch nicht zwangsweise ein Hund sein, es kann einfach ein Tier mit vier Beinen sein. Sagt ein Kind: „Wauwau“. Könnte man als Erwachsener so darauf reagieren: „Oh, du hast einen Wauwau gesehen? Oh ja, dort drüben steht ja eine Kuh.“ oder „Ja, da kommt ein Wauwau. Das ist aber ein besonders schöner Hund.“ Man nimmt somit die Worte der Kinder auf und bietet ihnen auch gleichzeitig das „richtige Erwachsenenwort“ dazu an.

Winner (2012) sagt, dass Kinder ein Recht auf eine autonome Kindersprache haben.

Sie sagt:

„Mit Kinderworten verhält es sich ähnlich wie mit Spielsachen: Kinder brauchen nicht unbedingt einen kleinen Plastiktopf und Plastikpommes, um kochen zu spielen. Aber sie benötigen Gegenstände, mit denen sie spielen dürfen; und das kann auch ein echter Kochtopf sein. Doch wenn das Kind mit diesem Kochtopf dann nur so umgehen darf wie ein Erwachsener, ist er als Spielgegenstand ungeeignet. Der Kochtopf muss auch herunterfallen oder Schlitten zweckentfremdet werden dürfen. Kinder, die keine Kinderworte benutzen sollen, brauchen Worte, die die Kriterien der autonomen Sprache erfüllen; und das können auch ganz normale Worte sein. Sie müssen dann Apfel zu allen verschiedenen Obstsorten sagen dürfen, Keks zu Essen oder müde bist zu schlafen. Kinder brauchen eine Sprache, mit der sie spielen dürfen.“ (Winner, 2012).

Dieser Vergleich gefällt mir sehr gut.

Diese Kindersprache verschwindet meist von selbst wieder wenn die Kinder sich „komplexer“ ausdrücken. Das Kind beginnt zu unterscheiden ob dort eine Kuh oder ein Hund steht und benennt die Tiere dann auch so. Das Kind „wächst“ aus der Kindersprache heraus weil es mehr und detailliertere Wörter benötigt um zu sprechen.

 

Vom Wort zum Satz

Im Laufe des 2. Lebensjahres bemerken Kinder, dass es einen Unterschied macht WIE sie etwas sagen. Das Wort „Mama“ kann beispielsweise fragend, fordernd oder bedauernd ausgesprochen werden und löst unterschiedliche Reaktionen aus. Auf ein fragendes Mama wird die Pädagogin wahrscheinlich mit „Deine Mama ist arbeiten, sie holt dich bald ab.“ antworten, während eine Mutter auf ein forderndes „Mama“ wohl eher mit „Ja, ich komme gleich“ antwortet. Kinder beginnen Grammatikstrukturen zu entwickeln. Zuerst als Ein-Wort-Sätze, dann als Zwei- und Mehr-Wort-Sätze.

Forschungen haben ergeben, dass sich diese am besten entwickeln, wenn gar nicht darauf geachtet wird und das Kind nicht ständig korrigiert wird. Auf die (falsche) Frage „Macht der Mann?“ antwortet die Mutter ganz intuitiv „Das weiß ich nicht, vielleicht holt er etwas.“ (Winner 2012). Kinder „erfinden“ ihre eigenen Regeln und wenden bekannte Grammatikregeln an. So hat das Kind beispielsweise gesten gesingt oder lange geschlaft. Diese „Fehler“ bügeln Kinder von selbst wieder aus. Sprachforscherinnen raten davon ab Kinder ständig zu korrigieren, das verunsichert sie. Man kann aber die richtige Form in die Antwort oder in die Reaktion einbauen. Wenn das Kind sagt, dass es gesingt hat, dann kann man darauf sagen: „O ja, das ist aber schön, dass du gestern so viel gesungen hast. Singst du mir jetzt auch etwas vor?“

 

Ich finde es auch immer faszinierend wie gut sich das Wurzelinchen jetzt schon ausdrücken kann. Oftmals verwendet sie Wörter und Grammatikstrukturen die mich staunen lassen. Manches erkenne ich aus Büchern die ich ihr vorgelesen habe, aber vieles ist auch für mich oft ganz neu und ich bin begeistert wie Kinder Sprache erwerben.

Besonders wichtig finde ich es auch zu sagen, dass Sprachentwicklung sehr individuell ist und unterschiedlich schnell passiert. Es gibt natürlich gewisse Richtlinien was ein Kind wann können sollte, aber ich denke man sollte Kindern auch Zeit geben. Aber gerade die Sprachentwicklung ist ein sehr sensibles Thema und wenn man verunsichert ist, sollte man sich professionelle Hilfe holen, zum Beispiel in Form einer Logopädin.

Nächste Woche habe ich ein sehr lesenswertes Interview mit einer Logopädin für euch.

 

 

Und hier habe ich noch einige Sprachspiele. Die machen Spaß und trainieren ganz nebenbei die Mundmuskulatur :-).

 

Quelle: Winner, Anna. 2012. Kleinkinder ergreifen das Wort. Sprachförderung mit Kindern von 0 bis 4 Jahren. Cornelsen.

 

Bild: Prawny – pixabay.com

 

 

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