„Über Stock und über Stein“- Warum Reime wichtig sind!

„Backe, backe Kuchen

der Bäcker hat gerufen …“

Ich denke diesen Reim kennen die meisten von euch und wenn ihr kurz nachdenkt fallen euch bestimmt noch weitere ein.

Doch sind Reime noch zeitgemäß? Die Sprache ist ja teilweise sehr antiquiert.

Ein Beispiel das das Wurzelinchen im Moment sehr mag: „Hinterm Haus Nummer 3“ – da heißt es in der letzten Zeile: Ich hätte gern – Gugelhupf und Zimmetstern.

oder „Safran macht den Kuchen gehl“

Zimmetstern, gehl, … verwenden wir heute ja eher selten in der gesprochenen Sprache.

Manche mögen nun sagen, das versteht doch niemand mehr. Doch Kinder müssen nicht jedes einzelne Wort verstehen. Es geht um den Klang, um den Rhythmus, um die emotionale Zuwendung. Und dann um den Inhalt.

 

Doch warum sind Reime so wichtig?

Durch Reime lernen schon Säuglinge den Klang und vor allem auch die einzelnen Laute der Muttersprache kennen. Außerdem ist gemeinsames Reimen auch Zuwendung. Wenn Eltern (Großeltern, …) Reime erzählen, wenden sie sich den Kindern zu. Und das ist auch der Unterschied zu Liedern und Reimen von der CD.

Bitte versteht mich nicht falsch, ich bin durchaus ein Fan von (guten) Kinderlieder-CDs, von Hörbüchern/Hörspielen und auch von kleinen Serien (Biene Maja, …). Auch das fördert Sprache. Aber die persönliche Interaktion, das persönliche Sprechen, das miteinander Reden, Singen, … darf nicht fehlen.

Ein Reim für die Kleinsten ist beispielsweise:

„Rennt eine Maus

übers Haus.

Wo wills rasten?

In der/dem …… ihrem/seinen Speckikasten/Kitzikasten.“

Mit den Fingern auf dem Bauch des Kindes hinauflaufen und es dann am Hals kitzeln. 

 

Kleinkinder sind am Anfang des Sprechenlernens besonders begeistert von Lautmalerei (Onomatopoesie): Wau-Wau, Tsch-Tsch, … wie zum Beispiel in:

Hopp, hopp, hopp

„Hopp, hopp, hopp,

Pferdchen lauf Galopp.

Über Stock und über Steine,

aber brich dir nicht die Beine.

Hopp, hopp, hopp, hopp, hopp,

Pferdchen lauf Galopp.“

Dazu das Kind auf den Knien reiten lassen. 

 

„Schau die Fliege – summ, summ, summ

fliegt um deinen Kopf herum,

fühlt sich so bei dir zu Haus,

ruht sich auf der Nase, dem Ohr, … aus.“

Mit den Fingern um den Kopf des Kindes fliegen und dann auf der Nase, … landen. 

 

Sobald Kinder selbst zu sprechen beginnen, trainieren Reime die gesamte Muskulatur im Mund- und Rachenraum. Und sie vermitteln Kindern ein Gefühl für Laute und Silben. Dies in weiterer Folge wichtig für das Lesenlernen, weil Kinder verstehen, dass Wörter aus einzelnen Teilen bestehen.

 

Ein Beispiel wie unterschiedliche Bereich im Mund trainiert werden:

Wie reiten denn die Herren? – Ra! Ra! Ra! (Gaumen und Rachnraum)

Wie reiten denn die Jüngferchen? – Zimperlim zimzim! (Zunge und Lippen)

Wie reitet denn der Bauersmann, der nicht besser reiten kann? / Hobbeldi bobbeldi boo! (Gaumen und Lippen) 

 

Gaumen, Zunge und Lippen werden dabei gebraucht und trainiert. Und gerade solche Lautmalereien wie „Ra, Ra, Ra“ und „Hobbeldi, bobbeldi“ finden Kinder besonders lustig.

 

Rhythmus

Dieser ist die Grundlage von Reimen und Liedern. Deshalb merken wir uns Reime und Lieder auch so gut – durch den Rhythmus „gehen sie hinein“.

Und um diesen Rhythmus zu unterstützen, verwenden wir Bewegungen und Gesten. Besonders Fingerspiele sind bei Kindern beliebt. Diese üben auch die Feinmotorik der Hände und Finger.

Viele Fingerspiele und Reime entstanden um die Entwicklung der Kinder zu unterstützen. Die Entwicklung der Sprache wie auch die Entwicklung der Feinmotorik, insbesondere des Daumens. Es gibt besonders viele Fingerspiele für den Daumen. Zum Beispiel:

Himpelchen und Pimpelchen

„Himpelchen und Pimpelchen saßen auf einem Berg (Fäuste machen – Daumen herausstecken)

Himpelchen war ein Heinzelmann und Pimpelchen ein Zwerg (Zuerst mit dem linken, dann mit dem rechten Daumen wackeln.)

Sie blieben lang am Berge sitzen und wackelten mit ihren Zipfelmützen (Mit beiden Daumen wackeln.)

Nach ein paar Wochen sind sie in den Berg gekrochen. (Daumen in die Faust stecken.)

Dort schlafen sie in süßer Ruh. Höst du? (Schnarchen.)“

 

Und was können Reime noch?

Reime können trösten:

„Heile, heile Segen

drei Tage Regen

drei Tage Schnee

tut schon nicht mehr weh.“

Dieser Reim, verbunden mit ein bisschen Pusten und Streicheln, wirkt wahre Wunder.

 

Reime helfen beim Zählen 

„Fünf Freunde sitzen dicht an dicht.

Sie wärmen sich und frieren nicht.

Der erste sagt: „Ich muss jetzt gehn.“

Der zweite sagt: „Auf Wiedersehen.“

Der dritte hält es auch nicht aus.

Der vierte läuft zur Tür hinaus.

Der fünfte ruft: „Hey, ich frier.“

Da wärmen ihn die anderen vier.“

 

Und auch die Uhrzeit kommt nicht zu kurz:

„Morgens früh um sechs

kommt die kleine Hex.

Morgens früh um sieben

schabt sie gelbe Rüben.

Morgens früh um acht

wird Kaffee gemacht.

Morgens früh um neun

geht sie in die Scheun.

Morgens früh um zehn

holt sie Holz und Spän.

Feuert an um elf.

Kocht dann bis um zwölf.

Fröschlein, Krebs und Fisch.

Hurtig Kinder, kommt zu Tisch.“

 

Das Wurzelinchen ist zur Zeit begeistert von Reimen und sie merkt sie sich nach kürzester Zeit – nach wenigen Wiederholungen. Ich staune oft. Und sie merkt sich immer größere Teile. Hat sie bis vor kurzem einzelne Wörter gewusst, sind es jetzt ganze Satzteile und Sätze. Und ich merke auch wie sie Wörter von Woche zu Woche besser ausspricht. Weil sie sie oft hört. Auch wenn sie schon viel mitsprechen kann, sage ich ihr die Reime zwischendurch auch alleine auf, damit sie sie hört. Und dann sagen wir sie wieder gemeinsam.

Besonders lustig ist, dass sie teilweise grinst und absichtlich falsche Wörter einsetzt und dann zu lachen beginnt weil ich den Kopf schüttle.

 

Ja, reimen macht wirklich Spaß, wir können es euch nur empfehlen. Vielleicht habt ihr noch ein Buch mit (alten) Reimen zuhause. Wir haben das wiedergefunden:

Liederbuch Über Stock und über Stein

Außerdem suchen wir gerne neue Fingerspiele in:

Bernd Bruckers „Fingerspiele“ aus dem Heyne Verlag.

 

 

Quellen:

http://www.kindergartenpaedagogik.de/698.html

 

http://www.t-online.de/eltern/kleinkind/spiel-und-bewegung/id_59860668/alte-kinderreime-sinnvolles-sprachtraining-oder-antiquiertes-sprachgut-.html

Titelbild: pixabay.com

 

Osterei lila OsterüberraschungBuchstabe: E

 

 

 

 

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6 Gedanken zu „„Über Stock und über Stein“- Warum Reime wichtig sind!

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