#fragmama Religiöse Erziehung im Alltag

Zum Abschluss meines Schwerpunktes zur religiösen Erziehung möchte ich euch meine Sichtweise zeigen und ich habe meine Bloggerkolleginnen um ihre Gedanken zu diesem Thema befragt – #fragmama:

Uns ist religiöse Erziehung sehr wichtig. Mein Mann und ich vertrauen selbst auf Gott und das möchten wir an unsere Tochter weitergeben. Wir gehören der evangelischen Kirche an und fühlen uns dort auch recht wohl. Mit manchen kirchlichen Anschauungen und Auslegungen (vor allem mit dem Frauenbild in der Bibel) tue ich mir schwer, aber die Grundlagen passen für mich. Ich arbeite aktiv in der Kirche mit und gestalte den Krabbelkreis und den Minigottesdienst. Die kindgerechte Vermittlung ist mir besonders wichtig. Zu Hause haben wir Bilderbücher mit Bibelgeschichten, diese sind beim Wurzelinchen aber noch nicht sehr beliebt – dafür ist sie einfach noch zu klein. An den Minigottesdiensten und im Krabbelkreis hat sie aber meist Freude – das gemeinsame Singen und die Kirche an sich mag sie. Am Abend bete ich ein kleines Abendgebet, das gehört zum Abendritual. Das Staunen und Ergriffen-Sein, worüber ich im letzten Beitrag geschrieben habe, ist ein wichtiger Aspekt für mich. Ich versuche Zeit zum Bestaunen der Schöpfung und unseres Alltags zu haben – z.B. beim Spielen im Hof wenn wir Blumen und Bäume anschauen oder kleine Käfer beobachten.

Birgit von Muttis Blog schreibt: Ui, ein herausforderndes Thema … mein Großer (10) meint „In Religion lernt man nix – und versucht nach Kräften dieses Fach zu bestreiken.“ Ich selbst bin der Meinung, dass da mehr ist zwischen Himmel und Erde als wir sehen oder messen können (obwohl die Neutrino-Forschung durchaus philosophische Interpretation zulassen würde). Mit der kirchlichen Doktrin tu ich mir dann aber doch eher schwer.

Sie hat auch schon einen Artikel zu diesen Thema verfasst, den könnt ihr hier lesen.

 

Judith von Stadtmama denkt so darüber: Wir erziehen unsere Kinder nicht besonders religiös. Das sie getauft sind, hat mit mir weniger zu tun als mit den Wurzeln meines Mannes, dessen Eltern religiös sind. Ich finde, Religion als Schulfach ist Allgemeinbildung. Darüber sollte man Bescheid wissen wie auch über die Weltkriege oder das Mittelalter. Religiöse Werte selbst finden sich auch in gesellschaftlichen Werten wieder, weshalb ich eher hier anzusetzten versuche als es über die Religion. Mit 8 Jahren bin ich vor der Erstkommunion beim Pfarrer bei der Beichte gesessen und er wollte, dass ich meine Sünden beichte. Aber was soll eine Achtjährige beichten, die sich keiner Fehler bewusst ist. Mir war es unangenehm, dass ich nichts zu erzählen hatte. Seither sehe ich das ganze eher kritisch. Wenn ich versuche nach bestem Gewissen zu handeln, gibt es nicht viel zu Beichten. Beichten will man ja meist nur, wenn einem das Gewissen belastet wird, wo man gegen seine eigenen Werte gehandelt hat. Ich war übrigens in einer katholischen Schule. Acht Jahre lang. Man kann also nicht sagen, dass Religion sickert :-).

 

Auch Catrin von Mom4Mom denkt kritisch darüber: Ich bin Atheist. Der Kirche ausgetreten. Unser Kind ist zwar laut Geburtsurkunde RömKath. – aber er ist nicht religös und wird auch nicht so erzogen. Er soll die Freiheit haben sich selbst zu entscheiden, wenn er alt und reif genug ist. Jedem das Seine. Ich glaube gar nicht an Gott. War 4 Jahre in St. Ursula – höchst religöse Schule in Mauer, fürchterliche Zeit!! Bin mir auch nicht ganz sicher ob ich Religion als Fach in der Schule gerne hätte – also für mein (e) Kind (er) … denn in meinen Augen gehört es nicht dazu… schwierig. Sehr schwierig, ich sehe selbst gerade, ich habe mir zu diesem Thema bis jetzt null Gedaken gemacht, aber wie gesagt, Religion gibt es bei uns zu Hause nicht …

 

Daniela von die kleine Botin schreibt folgendes: Ich selber wurde sehr religiös (katholisch) erzogen und habe es nicht gemocht. Unsere Kinder sind getauft – waren beide Taufen sehr gemütliche Familienfeiern und wirklich schön, da stand die Kirche nicht im Vordergrund. So handhaben wir es auch im Alltag: die kirchlichen Feste bekommen sie im Kindergarten mit und wir feiern auch daheim Weihnachten und Ostern. Auch mit Büchern wird bei Interesse darauf eingegangen. Wir gehen aber nicht in die Kirche und ich antworte ehrlich auf Fragen nach Gott, Himmel usw. – also in dem Sinn, dass ich es nicht weiss, ob / welchen Gott es gibt und dass alle Menschen etwas glauben oder eben nicht.

 

Für Lisa von Mamasprosse ist religiöse Erziehung sehr wichtig: Mir ist wichtig, dass meine Kinder Gott kennenlernen und wissen, dass er immer da ist und dass sie jederzeit mit all ihrer Freude, ihren Problemen und Sorgen, ihren Bitten und Wünschen zu ihm kommen können.
Sie sollen spüren, dass Gott eine persönliche Beziehung mit ihnen haben will.
Ich bete mit meinen Kindern, aber frei – keine vorgeschriebenen Gebete, wir gehen in den modernen Gottesdient unserer Kirche (evangelisch), sie wissen, dass ich in der Kirche mitarbeite, wir lesen die Kinderbibel und reden oft über Gott, Jesus und die Feste der Bibel.
Die werden auch gefeiert und zelebriert.
Aber ohne Zwang – einfach nur aus meinem Herzenswunsches heraus, dass sie Gott so kennenlernen, wie ich ihn kenne: Als liebender, gütiger Gott, der mich unglaublich liebt, Humor hat, nur das Beste für mich will und genau weiß, was er mir zutraut.

 

Jeannine von Mini and me denkt so darüber: Ich bin Agnostikerin. Ich besuchte in der Schule den Religionsunterricht aus Interesse, schenkte den Inhalten aber wenig Glauben. Das ist mir persönlich alles irgendwie zu „einfach“, es „Menschelt“ mir in den meisten (Welt-)Religionen einfach zu sehr. Meine Eltern erzogen mich nicht sonderlich religiös, sie ließen mir da freie Hand und ermutigten mich, mir selbst ein Bild zu machen. Getauft bin ich nicht, auch das wollten sie mir überlassen. Als Kind war ich eine Zeit lang in der Jungschar, weil meine Freunde auch dort waren. einmal legte ich Beichte ab und lies mir etwas einfallen, damit ich dem Pfarrer irgendetwas sagen kann. Es sagte mir, dass ich zwei Mal das „Vater unser“ beten sollte. Ich nickte und bekreuzigte mich mit der linken Hand. Das fiel ihm auf und er korrigierte mich, was mir unsagbar peinlich war. Als Jugendliche habe ich, auch aus Neugier, begonnen, das alte Testament inkl. Erläuterungen zu lesen. Später studierte ich Philosophie, wodurch auch mein Wissen über verschiedene Religionen noch vertieft wurde. Meine Tochter ist auch nicht getauft und wir nicht religiös erzogen, aber wir feiern Weihnachten und Ostern. Zu Weihnachten haben wir die Geschichte von der Geburt des Jesu-Kindes gelesen, da ich finde, dass eine gewisse, gern auch nur oberflächliche, Kenntnis der röm-kath. Religion einfach zum Allgemeinwissen gehört. Ich würde es gerne sehen, wenn Religion in der Schule durch ein verpflichtendes Fach „Ethik“ ersetzt würde. Vor allem, weil das alle Religionen und auch agnostisch bzw. atheistisch erzogene Kinder einen würde. Unsere Moralvorstellungen ähneln sich in weiten Teilen der Welt bzw. wenn sie das in manchen Fällen nicht tun, könnten so alle Kinder gemeinsam zu einer Lösung finden, die sich richtig und überlegt anfühlt. „Vorgebetetes“ mag ich nicht, egal ob es Meinungen oder wirkliche Gebete sind. 🙂 Ich persönlich glaube schon, dass es vieles gibt, das wir nicht wissen. Alles andere wäre meiner Meinung nach vermessen. Aber ein Gott, wie ihn die Bibel schreibt… nein, das ist nichts für mich.

 

Birgit von Suchtdasglueck schreibt: Ich komme auch aus einer sehr religiösen Familie, war auch in der Jungschar und habe das Gefühl von Gemeinschaft als Kind als sehr schön empfunden. Später ist das dann aber verloren gegangen und durch mein Geschichtestudium, war ich dann überhaupt kirchenskeptisch eingestellt.
Inzwischen glaube ich aber, dass die starke Loslösung von der Religion generell (egal von welcher), zum Teil Mitschuld ist an den vielen „Problemen“ unserer Zeit (Müdigkeitsgesellschaft) ist. Werte, Gemeinschaft, Rituale, Mitgefühl, das alles geht verloren, Burnout und Unsicherheit steht an der Tagesordnung unter anderem deswegen weil vielen der Halt/Sinn verloren geht und Religion ist halt eine Sinnstifterin.

Außerdem finde ich es für die Kinder schön und wichtig mit Halt und Werten aufzuwachsen, die auch von außerhalb der Familie kommen, vielleicht gibt das ja zusätzlich Sicherheit. Was passiert denn mit Weihnachten und Ostern ohne Religion dahinter? Sie verkommen zu reinen Konsumfesten und das ist ja nicht das Schöne daran, nicht das was meine Kinder damit verbinden sollen. Mein Großer bringt dann auch viele Fragen mit: „Wer hat das alles erschaffen?“, „Was passiert wenn wir sterben?“. Ich finde da spirituelle Erklärungen viel schöner und tröstlich. Leider habe ich meinen eigenen Zugang zur Religion noch nicht (wieder)gefunden, ich merke ich komme aus der katholischen Tradition, merke auch, dass für mich Spiritualität und andere Werte in den letzten Jahren wieder wichtiger werden, trotzdem fühle ich mich nicht mehr richtig zuhause in der katholischen Kirche. Ich finde den Buddhismus sehr interessant, ich beschäftige mich ja auch viel mit Achtsamkeit und die kommt ja aus dieser Tradition, aber das ist einfach auch noch einmal etwas anderes und ich bin auch dort noch nicht zuhause.

Was kann ich also an meinen Kinder weitergeben? Ich versuche es mit bestimmten Grundwerten, die in allen Religionen gleich sind: Nächstenliebe, Gemeinschaft, Mitgefühl. Wir machen gemeinsam Achtsamkeitsübungen und z.B. zu Weihnachten oder zu Ostern, versuche ich doch ein bisschen den Geist dahinter zu erwecken und ich merke, dass das auch mir wieder gut tut. Wer weiß, vielleicht finde ich ja über die Familie wieder meinen Zugang zur Religion.

Wenn man es ohne Religion „schafft“, ist es auch gut. Manchmal ist es aber schwer eigene Werte aus dem Boden zu stampfen. Ich weiß beispielsweise ich möchte keine Lebensmittel verschwenden, aber es ist für mich ganz schwer umzusetzen, immer noch landet zu vieles im Müll, auch meine Kinder sehen das selbstverständlich. Ich versuche dem ein bisschen gegenzusteuern indem wir Gemüse am Balkon selbst anbauen. Neulich sind mir die Erntedankfeste wieder eingefallen und das Gefühl das ich als Kind damit verbunden habe, dass man ein großes Fest macht und dankbar ist, dass man Essen hat. Ich habe wirklich darüber nachgedacht eine Art kleines Erntedankfest zu feiern, im Herbst dann. Es ist tatsächlich ein Wunder, dass aus einem kleinen Samenkorn so schnell etwas wächst, das uns ernährt. Und wenn man an Wunder glaubt, warum nicht an Gott? 😉 außerdem das Rad immer neu erfinden, wenn es eh schon Erntedankfeiern gibt 😀 Religion hilft eben etwas dabei sich festzuhalten und zu orientieren. (Rituale strukturieren Kinder- und Erwachsenenleben). Im Moment ist unsere Gesellschaft sehr egozentriert. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, das geht halt auch gern mal auf die Kosten der anderen. Ist halt so, macht doch jeder. Ganz unabhängig von Religion sagen auch Hirnforscher inzwischen, dass Menschen eigentlich auf Grund ihrer Fähigkeiten zur Kooperation und zur Empathie so weit gekommen sind (Darwin war gestern).

Und was machen Religionen schon immer? Sie predigen genau das, Mitgefühl, Zusammenhalt, Gemeinschaft. Mein Problem ist nur, was im Laufe der Jahrhunderte aus der Kirche als Institution geworden ist. Also teilweise bringen die ja immer wieder Sager und Skandale… ganz abgesehen vom Reichtümeranhäufen, Machtausüben etc etc etc.

Claudia von Mamasrasselbande hat einen Artikel zum Thema verfasst. Den könnt ihr hier nachlesen.

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6 Gedanken zu „#fragmama Religiöse Erziehung im Alltag

  1. Interessante Übersicht, auch wenn natürlich manches nicht mein Fall ist, danke.
    Aber…

    Was passiert denn mit Weihnachten und Ostern ohne Religion dahinter? Sie verkommen zu reinen Konsumfesten und das ist ja nicht das Schöne daran, nicht das was meine Kinder damit verbinden sollen.

    Solche Bemerkungen müssen echt nicht sein, finde ich. Als ob es ohne Religion keine Liebe gäbe, keine Familie, kein feierliches Beisammensein, keine Gemeinsamkeit mit Menschen, die mir nahe sind. Wer im Ernst glaubt, dass Atheist(inn)en ohne Religion das alles fehlt, oder dass das alles unweigerlich hinter dem Konsum zurücktritt, sobald man keine Götter anbetet, sollte sich dringend noch mal damit befassen, finde ich, denn da fehlen doch ein paar ganz wesentliche Einsichten darin, wie ein großer Teil der restlichen Menschheit lebt.

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Muriel,

      danke für deine Rückmeldung.
      Ich denke meine Bloggerkollegin ist im Moment auch noch auf der Suche danach wie religiös, oder auch nicht, sie ihre Kinder erziehen möchte und hat vielleicht für sich selbst das Gefühl, dass diese Feste für sie ohne den religiösen Hintergrund nicht ganz stimmig sind und der KOnsum dann zu sehr im Vordergrund steht.
      Da sie der Religion skeptisch gegenübersteht sind ihr die Grundwerte wie Nächstenliebe und Gemeinschaft sehr wichtig – und ich denke das streichst du ja auch besonders hervor, dass bei den Festen das gemeinsame Feiern und die Familie im Vordergrund steht.

      Und ich denke diese Werte wie Familie und Gemeinschaft verbinden doch alle – egal ob religiös oder nicht.

      Danke nochmal für deine Gedanken!

      Liebe Grüße, Kornelia

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      1. Gern, und danke für deine freundliche Antwort. Ich fürchte, mich verbinden diese Werte nicht so richtig mit irgendwem, aber mir wäre eben wichtig, dass sie unabhängig von Religion stehen und man diese ja nun wirklich nicht braucht, um Feste so zu feiern, wie man selbst es schön findet, ob mit mehr oder wenig Konsum.

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