Buchrezension: Christiane Kutik „Erziehen mit Gelassenheit“

Christiane Kutiks Buch „Erziehen mit Gelassenheit“ ist sehr klar aufgebaut. In 12 kurzen Kapiteln erklärt sie was ihrer Meinung nach für die kindliche Entwicklung wichtig ist. Sie spricht über Rollenklarheit, Respekt, Regeln, Rhythmus, Rituale, Resonanz, Rückhalt, Raum, Ruhe, Religio, Regeneration und Reflexion.

Rollenklarheit betrifft mich als Mutter oder Vater in meiner Rolle als Elternteil, in der ich Verantwortung für die Erziehung meines Kindes übernehmen muss. Sie weist darauf hin, dass man die Angst ablegen muss zu streng zu sein, wenn man klar sagt was man möchte und Entscheidungen trifft. Und wenn man Regeln für das harmonische Zusammenleben aufstellt und diese auch einfordert.

Im Umgang miteinander ist Respekt grundlegend, der elterliche Respekt vor dem Kind, aber auch der Respekt des Kindes vor den Eltern. Auch als Elternteil muss man klar sagen wenn man etwas nicht möchte (z.B. wenn Kinder schlagen – bei Geschwistern und anderen Kindern wird es gleich unterbunden, aber Eltern sagen oft es mache ihnen nichts aus).

In den Kapiteln Rhythmus und Rituale beschreibt sie die Wichtigkeit von Struktur und Wiederholungen – das gibt den Kindern Sicherheit.

Resonanz bedeutet „Kinder wollen gesehen werden“ und sie möchten Rückhalt – sie möchten, dass wir ihnen etwas zutrauen.

Um sich entwickeln zu können brauchen Kinder, so Kutik, Raum, um sich zu bewegen, um nachzuahmen und eigene Erfahrungen zu machen (z.B. beim Mithelfen im Haushalt), um sich auszudrücken (z.B. in kreativen Tätigkeiten) und sie brauchen Ruhe (es muss nicht immer etwas dudeln, reden, singen, …).

Die meisten Menschen suchen nach einem Sinn – so auch Kinder. Für Kutik ist Religio, wie sie es nennt, deshalb auch grundlegender Bestandteil von Erziehung. Sie meint damit nicht Religion an sich, sondern Kindern Sicherheit vermitteln, möglicherweise auch im Sinne einer höheren Instanz die auf uns aufpasst. Sie meint damit aber auch Achtsamkeit vor dem Leben und Zeit für Fragen und zum Nachdenken.

Regeneration und Reflexion ist für Eltern ein wichtiger Aspekt in der Erziehung. Zwischendurch muss auch Zeit als Mann und Frau, jeder für sich und als Partner sein. Nur so kann ich die Batterien aufladen und über mein Handeln nachdenken und reflektieren. Und sie zeigt auch das Reflektieren mit Kindern auf – mit Kindern sprechen, von Anfang an. Benennen was man tut (Emmi Pikler) und später Dinge im Alltag erklären und Fragen nicht abtun sondern beantworten.

 

Meine persönliche Meinung:

Mir persönlich hat dieses Buch sehr gut gefallen. Es hat eine klare Linie in der ich mich mit meiner Vorstellung von Erziehung wiederfinden kann. Christiane Kutik veranschaulicht ihre Kapitel mit kurzen Fallbeispielen, was ich immer sehr ansprechend finde.

Besonders wichtig für mich ist die Rollenklarheit – ich muss in meiner Erziehungs-Rolle Verantwortung übernehmen, das heißt auch, dass ich es meinem Kind nicht immer Recht machen kann und dass ich Entscheidungen treffen muss. Versteht mich nicht falsch – natürlich steht das Kind im Mittelpunkt – aber in gewissen Situationen muss ich meinem Kind auch Halt geben indem ich Entscheidungen treffe wenn ich merke, dass mein Kind damit überfordert ist.

Als Mutter oder Vater muss ich auch klar sagen was ich möchte. Ich habe als Kindergartenpädagogin oft gesehen, dass Eltern ihre Kinder 20 min. fragen „Kommst du jetzt bitte?“ und sich dann ärgern, dass das Kind nicht folgt. Aber klar zu sagen „Bitte beende dein Spiel und dann gehen wir.“ klingt ja schon fast wieder so streng und von dieser strengen Erziehung möchten wir uns heute ja eher distanzieren.

Aber Rollenklarheit und in weiterer Folge auch Respekt und Regeln haben nichts Strenge zu tun. Kutik schreibt im Kapitel über Regeln (S. 45) „Klar sein heißt, dem Kind Halt geben. Das ist etwas anderes, als streng sein. Streng wäre, nach dem Wenn-dann-Prinzip zu verfahren und zu sagen: „Wenn du jetzt nicht die Zähne putzt, dann gibt’s nachher keine Geschichte.“

Besser wäre es klar zu sagen: „So ist es jetzt. Wir gehen jetzt Zähneputzen“ Und das dann auch ruhig, aber bestimmt einfordern.

Natürlich leichter gesagt als getan, aber dieser Ansatz ist für mich stimmig.

Als förderlich für ein harmonisches Miteinander beschreibt Kutik einen klaren Tagesrhythmus. Denn das Kind weiß was (in gewissen Situationen, z.B. am Abend) als nächstes kommt und das gibt ihm Sicherheit und Halt. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich dem nur zustimmen. Unser Tagesablauf ist sehr geregelt und das funktioniert für uns sehr gut. Ich kenne aber auch Familien zu denen das überhaupt nicht passt und die sich damit absolut nicht wohl fühlen würden.

Besonders wichtig finde ich auch „Resonanz“ – das Kind sehen, das Kind wahrnehmen. Nicht immer nur sein Tun bewerten (natürlich auch – loben wenn es etwas geschafft hat, wenn es etwas Schönes gemalt hat, …) – aber in erster Linie das Kind sehen und vermitteln „Ich liebe dich, weil du bist und nicht weil du das und das schon so gut kannst!“

 

Das Kapitel „Religio“ hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Diesem Thema werde ich in nächster Zeit einen eigenen Artikel widmen, da mir Spiritualität und religiöse Erziehung sehr wichtig ist.

 

Wie steht ihr zu den angesprochenen Punkten?

Wie wichtig ist für euch Rollenklarheit? Was ist für euch „streng sein“?

Was haltet ihr von Rhythmus und Ritualen?

Wie sieht es mit Resonanz aus? Ertappt ihr euch auch manchmal, dass ihr eher seht was das Kind schon kann, als das Kind selbst?

Und wie sieht es mit eurer eigenen Regeneration aus?

Ich würde mich über Rückmeldungen freuen und vielleicht konnte ich ja einige von euch für das Buch begeistern.

 

 

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